Freitag, Januar 20, 2006

Emanzipiertes

Ich mag starke Frauen.

Meine Oma war eine.
In den 30er Jahren war es im Rheinland auf dem Land und sicherlich auch sonst wo üblich, dass die Mädchen/Frauen des Dorfes den jeweiligen Jungen/Männern dort vorbehalten waren. Meine Oma setzte sich über dieses Gebot jedoch hinweg. Sie war als Berzdoferin liiert mit einem Jungen in Keldenich.
Eines Abends fuhr sie mit ihrem Fahrrad vom Milch einkaufen zurück in ihr Dorf. Am Dorfeingang wurde sie von mehreren Jungen aus ihrer Nachbarschaft erwartet. Sie kamen auf sie zu, so dass sie schließlich gezwungen war von ihrem Rad abzusteigen.
"Do jehürs us. Do häs nix met dem Lackel us Kählisch zo schaffe!" drohten sie ihr.
Noch Jahrzehnte später funkelten ihre Augen, wenn sie mir erzählte, 'wie ich denne met de Milchkanne links un rächs om die Uhre jeschloge han - dat denne dat Hüre un Sinn verjange is'. "Un ich blevv bei minge Paul! Ihr hat mir nix zo sage!"

Sie heiratete Paul und bekam mit ihm zwei Söhne.
Ende des Krieges galt Paul als vermisst.
Seit dem hat meine Oma keinen Mann mehr angesehen und mit keinem mehr getanzt.

Sie war so stark, kompromisslos und leider auch verbittert.

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