Dienstag, März 21, 2006

Lesenswertes?

Bücher sind ein heikles Thema bei mir. Ich lese gerne und habe viele ausgesprochene Lieblingsbücher.

Dennoch fällt es mir unglaublich schwer ein neues Buch zu finden. Ich laufe durch Bouvier, surfe bei amazon – auf der Suche nach einem wirklich lesenswerten Buch und das ist wirklich kompliziert. Bevor ich nun aushole, um zu schildern, was m. E. ein gutes Buch ausmacht, werde ich meinem Ärger und Enttäuschung Luft machen, die mich seit einigen Tagen abends im Bett befällt, wenn ich das Buch ‚Glenkill’ lese. Bestseller/Irland/Schafe/junge Autorin/Krimi – lauter Hinweise auf ein eigentlich lesenswertes Buch. Witzige Idee – Schafe klären aus ihrer Perspektive einen Mordfall auf. Hinzu kommt die liebevolle Gestaltung. Auf jeder Seite ist unten ein Schaf abgebildet. So lässt sich das Buch auch als Daumenkino benutzen. Sehr nett!

Neugierig begann ich vor einigen Tagen dieses Buch zu lesen. Schon bald merkte ich, dass mir die Sprache einfach nicht gefällt.

„Hinter dem Heuschuppen stand der Schäferwagen, ein holpriges Gefährt, mit dem George Glenn früher über Land gefahren war, mit einer anderen Schafherde. Heute bewahrte er dort einige Sachen auf. Manchmal verbrachte er auch die Nacht hier. Hinter dem Schäferwagen lang ein kleiner Gemüsegarten., den George angelegt hatte, mit Kopfsalat, Erbsen, Rettichwurzeln, Kresse, Tomaten, Endivien, Ranunkeln und ein bisschen Schnittlauch.
Er hatte einen Zaun darum gezogen. Der Gemüsegarten lag zwar auf der Weide, aber er war den Schafen verboten.“ (Swann, L.: Glennkill. S.28-29)

Mir fehlen eindeutig beschreibende Adjektive, Nebensätze und z. T. ungewöhnliche Sprachkonstruktionen, die das Lesen interessant machen. Ich mag nichts lesen, was ich genauso hätte schreiben können. Ich möchte beim Lesen, sowohl durch sprachliche als auch durch inhaltliche Raffinessen, überrascht werden.

Ich frage mich, wie dieser Schäferwagen aussieht. Welche Sachen hat George dort aufbewahrt? All das brauche ich, um in die Welt eines Buches einzutauchen.

Bücher müssen mich auch herausfordern. Hin und wieder möchte ich innehalten, weil ich eine Phrase beim ersten Lesen nicht direkt verstanden habe oder weil ich über den angesprochenen Sachverhalt nachdenken möchte. Ich möchte nicht einfach ein Buch nur herunterlesen. Dies betrachte ich als Zeitverschwendung. Danach fühle ich mich leer.

Bücher sollen mich bewegen und v. a. nachklingen.

Genau das geschieht beim Lesen von ‚Glenkill’ nicht. Ich werde das Buch nun weglegen.

3 Comments:

Anonymous medienjunkie said...

die sätze finde ich ziemlich kurz, das wichtigste ich für mich eine gute story, aber wenn es sehr holprig geschrieben ist, wie hier, dann ist das eher langweilig. dann veerliere ich beim lesen auch gern mal die konzentration und lese einen absatz den ich sofort wieder vergesse.

10:32  
Blogger Guido said...

So ging es mir auch bei "Der Fall Hildegard von Bingen". Eigentlich fand ich die Handlung recht interessant, aber der Sprachstil ist ähnlich platt. Vor diesem Buch war mir nicht bewusst, dass der Stil ein Buch völlig zerstören kann.
Ansonsten habe ich hier ein Beispiel für das andere Extrem: http://www.bulwer-lytton.com

11:14  
Blogger Killoyle said...

Einige Minuten danach habe ich das Buch bei amazon hineingestellt und schon kurze Zeit später hatte ich es verkauft.
In meinem Regal sollen keine ungelesenen oder schlechten Bücher stehen.

16:01  

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